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Unsere Philosophie und Entstehungsgeschichte

Einführung
Während die Welt auf eine umfassende Umweltzerstörung zusteuert, geben uns kleine fliegende Insekten Hoffnung. Honigbienen. Obwohl sie an unzähligen vom Menschen auferlegten Stressfaktoren leiden, gibt es Anzeichen, dass wilde Honigbienen in der Natur ohne den Menschen überleben können. Aus diesen wenigen Beispielen können wir viel darüber lernen, was die Art als Ganzes braucht, um zu überleben — und zu leben — und was wir anschließend von ihnen lernen können, um unser Verständnis von Naturzusammenhängen zu verbessern und wie unsere derzeitigen Praktiken nachteilig sein können.

Die Veranstaltung Learning from the Bees | Berlin 2019 steht im Zeichen der Biene und schafft einen Ort um den interdisziplinären Dialog zwischen Imkern, Landwirten, Forstleuten und Bienenliebhabern zu fördern, mit dem Ziel, Unterschiede in Ideologie und Praxis zu überwinden und gemeinsam Alternativen zu versagenden Systemen zu finden und die Zukunft der Imkerei und des Umweltschutzes neu zu definieren.

Die Situation
Seit mehr als 150 Jahren werden Honigbienen wie Nutztiere gehalten. Sie stehen unter dem Druck, mehr und mehr Honig zu produzieren, und darüber hinaus sind sie gezwungen, Pflanzen unter unnatürlichen, unangemessenen Bedingungen zu bestäuben.

Zusätzlich verstärkt durch Lebensraumverlust, Monokulturen, Pestizidvergiftungen, genetische Manipulationen des Menschen und vielen anderen Faktoren, ist dieses von wirtschaftlichen Interessen geprägte Modell unhaltbar und nicht nachhaltig. Jüngste Berichte warnen vor einem massivem Insektensterben, bei dem beispielsweise deutsche Naturschutzgebiete seit 1992 einen Rückgang der Insektenzahlen um 76% zu verzeichnen haben. Auch weltweit nimmt die Population der Honigbienen (Apis mellifera) stark ab. Von den 100 am häufigsten gegessenen Pflanzen auf dem Planeten sind 70 von Bestäubern wie den Honigbienen abhängig. Ohne unsere geflügelten Freunde können also Ökosysteme möglicherweise zusammenbrechen und die Nahrung kann sehr knapp werden — und wahrscheinlich auch langweilig. Keine Beeren. Keine Wassermelone. Keine Bohnen. Keine Zucchini. Keine Mandeln.Keine Kräuter. Und die Liste geht weiter und weiter.

Das Gespräch
“Honigbiene, wie geht es dir?”

Wenn wir ein Gespräch mit Honigbienen führen könnten und fragen würden, wie es ihnen geht und was sie brauchen, werden wir vielleicht überrascht sein, was wir von diesen beliebten Insekten lernen können. Sie leben harmonisch als Superorganismus in einem Bienenstock und arbeiten anscheinend selbstlos mit tausenden von Schwestern und Brüdern zusammen. Was ebenso interessant ist, ist, was passiert, wenn wir weiter fragen. Fragen wir die, die mit der Welt der Bienen verbunden sind: “Imker, wie geht es dir?”, “Landwirt, wie geht es dir?”, “Landwirtschaft, wie geht es dir?”, “Baum, wie geht es dir?”, “Förster, wie geht es dir?” Vielleicht sind alle diese Angesprochenen in einer Art Ausnahmezustand.  Vielleicht erlebt jeder einen extremen ausbeuterischen Druck, der von wirtschaftlichen Interessen angetrieben wird, die mehr, größer, besser, bequemer, schneller, und billiger verlangen. 

Wir müssen aufhören diesem Trend hinterherzulaufen. Machen wir eine Pause, atmen tief durch und überdenken das Ganze. Und wir sollten uns dann schwierigen Fragen stellen: Funktioniert das? Ist das nachhaltig? Ist das der richtige Weg, der einzige Weg? Leiste ich einen Beitrag zu diesem Problem? Bin ich Teil der Lösung? Was halte ich davon? Wie geht es mir? Wenn jeder Spieler auf dieser Bühne gefragt wird, “Wie geht es dir?” können wir zusammenfassend über das Gesamtbild “Natur, wie geht es dir?” hinausgehen. Dies ist der Ausgangspunkt für Learning from the Bees | Berlin 2019, wobei wir beabsichtigen, einen fachübergreifenden Dialog zwischen diesen verschiedenen Bereichen anzuregen.

Die Lösung
Im Jahr 2018 fand eine Konferenz Learning from the Bees vor den Toren Amsterdams statt, wo 350 Bienenliebhaber zusammenkamen. Dort wurde ein Grundstein für Veränderung gelegt für ein entschlossenes, konzertiertes Handeln im Namen der Honigbienen und anderer Bestäuber. Inspiriert vom Erfolg der Konferenz in Amsterdam beschlossen Mitglieder von Mellifera Berlin, das zweite Kapitel dieser Entwicklung zu starten und den Schwerpunkt auf Waldbienenhaltung/  Zeidlerei zu legen. Können wir Menschen mehr über natürliche Lebensbedingungen der Honigbiene erfahren, die seit 30 Millionen Jahren in Höhlungen von Bäumen überlebt haben und erst seit etwa 150 Jahren nicht wesensgemäß gehalten werden? Während der Konferenz werden wir eine Vielzahl von Themen diskutieren, die lose in drei Hauptkategorien eingeteilt sind: “Bienen & Imker”, “Bienen & Bäume” und “Bienen & Bauernhöfe”.