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Zeidlerei Workshop Detailinformationen

Allgemeine Geschichte

Die Zeidlerei (auch Zedlerei) war im Mittelalter das gewerbsmäßige Sammeln von Honig wilder oder halbwilder Bienenvölker, das vom Zeidler ausgeübt wurde. Das Wort kommt vom lateinischen „excidere“ („herausschneiden“) über das altdeutsche „zeideln“ („Honig schneiden“). Schneiden deshalb, weil hier – anders als heute – die gesamte Honigwabe entnommen (erbeutet) wurde; dabei war der Fortbestand des Bienenvolkes nachrangig. 

Der Begriff des Zeidlers (oder Zeitlers) bezeichnet einen besonderen Beruf des Honigsammlers, wie er sich in Europa seit dem Frühmittelalter ausgebildet hat. 

Der Zeidler hielt, anders als der Imker im heutigen Sinne, die Bienen nicht in gezimmerten Bienenstöcken oder Bienenkörben. Man hieb alten Bäumen künstliche Höhlen (Beuten) in etwa sechs Meter Höhe ein und versah den Eingang mit einem Brett, in das ein Flugloch eingebracht war. Ob eine Beute von Bienen beflogen wurde oder nicht, hing ganz vom natürlichen Umfeld ab und wechselte jedes Jahr.

Während im Mittelalter in Russland, Polen und Deutschland (vor allem im Nürnberger Raum, aber auch in Berlin im Grunewald und Spreewald) die Waldbienenhaltung weit verbreitet war, ging sie Ende des 19. Jahrhunderts durch die allgegenwärtige Ausbreitung der Industrialisierung fast verloren. Hauptgründe waren die großflächige Rodung der Wälder und die wachsende Zahl von Bienenvölkern, die in preisgünstigen, dünnwandigen, auf dem Boden aufgestellten Holzkisten gehalten wurden. Damit war es leichter den Honig zu ernten. Die Zeidlerei verschwand weitgehend aus Deutschland und Polen, wobei in Russland nur noch wenige ausgewiesene Naturschutzgebiete für die Zeidlerei existierten.

Dieses traditionelle Handwerk, das um 2005 von den polnischen Zeidlern wiederentdeckt wurde, die das Handwerk von den Russen in Shulgan Tash im Ural erlernten, erlebt heute eine Renaissance, die 2014 erstmals in Deutschland und der Schweiz verbreitet wurde und seither nach Österreich, Großbritannien, den USA, der Türkei, Portugal und darüber hinaus fortgesetzt wurde.

(Übersetzt und angepasst von https://de.wikipedia.org/wiki/Zeidlerei)

Zeidler-Workshop Einzelheiten

Gruppen
Der Workshop der Zeidlerei bietet Platz für bis zu 60 Teilnehmer, die in kleinere Gruppen mit maximal 20 Personen aufgeteilt werden. Jede Gruppe wird von drei oder vier erfahrenen Zeidler-Ausbildern betreut.

Die Zeidler-Ausbilder stammen aus Polen und Deutschland und sprechen eine Kombination aus Deutsch, Englisch und Polnisch. Die Teilnehmer werden in sprachlich geeignete Gruppen eingeteilt. 

Innerhalb dieser Gruppen werden die Teilnehmer dann pro Baumstamm zu zweit arbeiten. Da immer nur eine Person gleichzeitig an einem Baumstamm arbeiten kann und das manuelle Herstellen der Hohlräume vor allem für Anfänger eine anstrengende Arbeit sein kann, werden die Teilnehmer abwechselnd die Baumstämme aushöhlen. 

Standorte
Eine Gruppe wird den Großteil ihrer Zeidlerei-Aktivitäten im Innenhof des Hauptveranstaltungsortes der Konferenz, dem Kühlhaus-Berlin durchführen, während die restlichen Gruppen nebenan in einem Freigelände im Technikmuseum Berlin angesiedelt sind. An beiden Standorten werden sich verschiedene Arbeitsplätze befinden, so dass die Gruppen von einem Standort zum anderen wechseln müssen. Ein dritter Ort, an dem Klettertechniken demonstriert und geübt werden, wird noch bekannt gegeben (zu bestätigen).

Aushöhlen von Baumstämmen
Der Einsatz von Motorsägen zum Schneiden von Anfangsschnitten in Baumstämme ist eine gängige Praxis. Aus Sicherheitsgründen ist die Verwendung von Motorsägen nur für Ausbilder während unserer Zeidlerei-Werkstatt zulässig.

„Aushöhlen von Baumstämmen” ist definiert durch das physische Herstellen eines Hohlraums im Inneren eines Baumstammes, in dem die Bienen hoffentlich irgendwann ihr Zuhause finden werden. Diese Aktivität erfordert harte körperliche Arbeit mit handgefertigten Werkzeugen (siehe unten), die wir den Teilnehmern zur Verfügung stellen. Während des Workshops werden mehrere Stunden pro Tag dem Aushöhlen von Stämmen vorbehalten sein; weitere Informationen finden Sie im Programm.

Es werden verschiedene Arten von Baumstämmen bereitgestellt, die von Fichte über Kiefer und Linde bis hin zu Eiche reichen. Je nach Holzart kann das Aushöhlen relativ einfach, wie z.B. bei Laubhölzern, oder anstrengend sein. Wir werden versuchen, es den Teilnehmern zu ermöglichen, sowohl an Weichholz als auch an Hartholzstämmen zu arbeiten, um die verschiedenen Bearbeitungsarten zu vergleichen. Bei Bedarf werden die Teilnehmer je nach ihren körperlichen Voraussetzungen einer Holzart zugeordnet.

(Hinweis: Für diejenigen, die an der Zeidlerei interessiert sind, aber keine praktischen Tätigkeiten selbst ausüben möchten, besteht die Möglichkeit, während der Konferenz (am 31. August) eine verkürzte 90-minütige Demonstration verschiedener Aspekte des Handwerks durch polnische Zeidler zu erleben. Dies dient nur der Darstellung der Grundprinzipien und ist nicht gedacht für die aktive Teilnahme der Zuschauer.)

Werkzeuge
Erfahrene Zeidler arbeiten mit einer Vielzahl von Werkzeugen: moderne Motorsägen zum ersten Anschneiden und Einsägen von Baumstämmen sowie traditionelle Werkzeuge wie Brecheisen, Dechsel und kleinere Glättwerkzeuge zum Aushöhlen des Hohlraums. Die Teilnehmer lernen, wie man mit diesen manuellen Werkzeugen einen Baumstamm aushöhlt, um im Vergleich zu herkömmlichen dünnwandigen Holzkisten bessere isolierte Lebensräume für Bienen zu schaffen.

Wir bieten eine einzigartige Gelegenheit, die Herstellung dieser traditionellen Werkzeuge zu erleben. Der am Museum für Verkehr und Technik ansässige Schmied wird vor Ort in unmittelbarer Nähe der Werkstattgruppen die Herstellung erläutern. Während dieser Demonstration lernen die Teilnehmer aus erster Hand die verschiedenen Materialien kennen, die zur Herstellung der einzigartigen Werkzeuge von Zeidlern verwendet werden.

Sicherheitsvorkehrungen und Schutzausrüstung 
Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, werden zu Beginn des Workshops die Sicherheitsvorkehrungen ausführlich erläutert. 

Da das Aushöhlen von Stämmen mehrere Stunden dauert, werden Handschuhe zur Vermeidung von Handverletzungen sowie eine Schutzbrille gegen umherfliegende Holzspäne dringend empfohlen.

Während des praktischen Teils des Workshops werden regelmäßig Sägeschnitte mit Motorsägen von Ausbildern durchgeführt, die sehr laut sein können. Daher wird empfohlen, auch einen Gehörschutz mitzubringen. Und obwohl die Stämme gegen Wegrollen gesichert sind, empfehlen wir festes Schuhwerk.

Baumklettertechnik
Polnische Zeidler praktizieren andere Klettertechniken als russische Zeidler, - beide Klettertechniken wurden im Laufe der Zeit weitergegeben. Die Polen verwenden ein traditionelles Hanfseil (leziwo), während die Russen ein Seil aus Lindenbast verwenden. Diese verschiedenen Klettertechniken werden im Workshop erläutert und die polnische Technik sowie moderne Klettertechniken mit synthetischen Seilen, die heute üblich sind, demonstriert. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, einige dieser Techniken des Baumkletterns zu erlernen, die von Zeidler-Experten vermittelt werden.

Der Ort der Baumklettervorführungen und -übungen ist sowohl vom KühlhausBerlin als auch vom Technikmuseum Berlin aus zu Fuß erreichbar (zu bestätigen). 

Vorträge über Bienen in Bäumen und Klotzbeuten
Während der vier geplanten Vorträge des Workshops werden verschiedene Aspekte der Baumbienenhaltung erläutert: Waldbedingungen für die Baumbienenhaltung; Warum Zeidlerei und biodynamische Imkerei und der Bau von natürlichen Behausungen; Wie man Klotzbeuten betreibt; und die Geschichte der Zeidlerei.

Über den Workshop der Zeidlerei hinaus werden die Konferenzteilnehmer am Samstag in einer 90-minütigen Podiumsdiskussion zwischen drei deutschen Zeidlern einen weiteren Einblick in die Welt der Baumbienenhaltung bei den drei wichtigsten deutschen Zeidlerzentren erhalten.

Citizen-Science Projekt (Freitagabend Optionale Arbeitssitzung)
Die Teilnehmer des Workshops sind eingeladen, am Freitagabend im Anschluss an die Vortragsreihe „Geschichte der Zeidlerei” an einer optionalen Arbeitssitzung teilzunehmen. Workshop-Teilnehmer, Zeidler-Instruktoren, Konferenzsprecher und andere geladene Gäste werden sich mit einer gezielten Aufgabe befassen. Die Aufgabe lautet, Wege zur Bildung einer internationalen Koalition zu finden, um wissenschaftliche Daten über Bienen in Bäumen oder Klotzbeuten  über ein speziell von Professor Thomas D. Seeley für dieses Projekt entwickeltes Testprotokoll zu sammeln.

Die Mehrheit der während des Workshops der Zeidlerei fertiggestellten Bienenbehausungen/ Klotzbeuten wird schließlich an Partnerinstitutionen in ganz Europa verteilt - Universitäten mit Nachhaltigkeits- und Naturschutzprogrammen, Bienenforschungslabors, Waldschutzgebiete und andere geeignete Standorte - unter der Bedingung, dass diese Bienenstöcke auf ihrem Gelände installiert, regelmäßig überwacht und dann in eine wissenschaftliche Studie zur Messung der Gesundheit von Waldhonigbienen aufgenommen werden. Es werden Klotzbeuten hergestellt für die Aufstellung am Boden und Klotzbeuten für das Hochziehen in einen Baum. 

Wir glauben, dass diese Daten, wenn sie über mehrere Jahre hinweg gesammelt werden, umfangreiche Forschungsergebnisse hervorbringen werden, die sich für die natürliche Bienenhaltung als unschätzbar erweisen werden, insbesondere für ökologische, natürliche Imker, die sich weniger intensive Praktiken und bienenfreundlichere Lebensräume vorstellen. Im Frühjahr 2020 und im Laufe des ersten Jahres werden ein Dutzend oder mehr europäische Institutionen an einem „Soft Launch” teilnehmen, um Protokoll, Datenbank, System usw. zu testen. Anschließend wird dies breiter angelegt, um möglicherweise Hunderte von Standorten in Europa, den USA, der Türkei, Russland und anderen Ländern abzudecken.

(Hinweis: Nicht für das Citizen Science Programm in Anspruch genommene Klotzbeuten aus der Zeidlerei-Werkstatt können von den Teilnehmern des Workshops zu einem reduzierten Preis erworben werden)

Solche Forschungsprogramme werden als „Bürgerliche Wissenschaftsprogramme” bezeichnet, weil sie, wie in diesem Fall, die Imker ermutigen, Daten zu sammeln, die benötigt werden, um echte wissenschaftliche Probleme anzugehen.

Wir stehen bereits in Kontakt mit der Fachhochschule Eberswalde für nachhaltige Entwicklung, die in Deutschland hinsichtlich eines „grünen” Lehrprofils führend ist. Sie sind eingeladen, eine Auswahl von Studenten und Professoren zum Zeidler Workshop und zur Konferenz zu schicken.

Verpflegung
Es wird nur ein leichtes Frühstück am Morgen angeboten, da wir davon ausgehen, dass viele Teilnehmer das Frühstück in ihren jeweiligen Hotels genießen werden.  Der Preis des Workshops beinhaltet auch Mittag- und Abendessen, die wir gemeinsam einnehmen werden. Erfrischungen, Kaffee und Tee werden während der Kaffeepausen und während der Holzarbeiten angeboten.

Hotels
In drei Hotels in Laufnähe von „Learning from the Bees | Berlin 2019” haben wir Zimmerblöcke mit vergünstigten Preisen reserviert: Mercure Hotel Berlin Mitte, Grimm's Potsdamer Platz und Flottwell Berlin Hotel. Um eine Reservierung vorzunehmen, klicken Sie auf die Seite „Berlin”, scrollen nach unten und laden dann eines der Reservierungs-PDF-Formulare herunter, füllen es aus und senden es ab. Unsere reservierten Zimmerblöcke werden ab dem 29. Juli an die Hotels zurückgegeben. 


Hinweis: Dies ist eine Teilbeschreibung des Workshops der Zeidlerei, Stand 1. Juli 2019. Programm- und andere Details können sich ändern.